Grönland mit MSC

Erstellt von Margrit Zauner || Reisebericht Europa 

Viel Eis, Kultur und Erholung – eine schöne Mischung. (07/2023 Margrit Zauner vom Blog „Reiseliebe“)

Gastbeitrag: Grönland mit der MSC Poesia

Reisebeginn
Der Check-in in Warnemünde ist mit einstündigen Zeitfenstern organisiert, so dass keine lange Schlangen entstehen. Ich war in weniger als 15 Minuten von außerhalb des Kreuzfahrtterminals bis zur Kabine inklusive Sicherheitskontrolle und das war wirklich entspannt. Die Kabine war trotz relativ früher Eincheck-Zeit – die aber perfekt zur Check-out-Zeit im Hotel passte – verfügbar, nur bis der Koffer vor der Kabinentür stand, dauerte es etwas. Die Gepäcklogistik bei einem solchen Kreuzfahrtschiff ist für mich immer ein großes Werk der Bewunderung. Der Koffer war jedenfalls am späteren Nachmittag da und ich konnte ihn nach der obligatorischen Sicherheitsübung in Ruhe auspacken. Und für drei Wochen ist der Koffer auch ein ziemlich schweres Teil, bei dem ich zu schätzen weiß, dass er bis zur Kabinentür gebracht – und dort beim Ausschiffen auch wieder abgeholt – wird.
(…) Die Balkonkabine auf der MSC Poesia war ähnlich aufgebaut wie die, die ich letztes Jahr auf der Queen Victoria hatte. Bett, Sofa, Schreibtisch. Allerdings hatten die Möbel an einigen kleineren Stellen schon erhebliche Gebrauchsspuren, ein paar „Ecken“ im Furnier und ein paar Schubladen ließen sich nur schwer öffnen. Da wo bei der Ankunft bei Cunard eine Schutzmatte auf dem Bett liegt, auf die man den Koffer zum Auspacken (und bei der Abreise zum Wiedereinpacken) legen kann, fehlte diese bei MSC, aber immerhin gab es 10 stabile Plastikkleiderbügel im Schrank für die Kabine.
Der Start in Warnemünde verzögerte sich um mehrere Stunden, da es so windig war, dass das Schiff keine Genehmigung zum Auslaufen bekam. Daher musste ich auf die Freude, mal von einem Schiff aus auf die zu schauen, die das Auslaufen beobachten (was ich sonst sehr gerne in Warnemünde mache) verzichten.
Aber auch das ist am Beginn einer längeren Reise mit einem folgenden Seetag nichts, was eine Reisende aus der Ruhe bringt. Trotz des Windes war der Start entspannt und mit Maximalgeschwindigkeit ging es Richtung Schottland.

Orkney-Inseln, Schottland
Den ersten Stopp – Kirkwall auf den Orkneys – haben wir mit „nur noch“ guten vier Stunden Verspätung erreicht. Die Ankunftszeit war später als geplant und die Liegezeit wurde im Vergleich zur ursprünglich geplanten Abfahrt etwas verlängert. Wer einen MSC-Ausflug gebucht hatte, hatte keine Probleme, weil die Angebote an die veränderten Zeiten angepasst wurden. Wer selbst etwas gebucht hatte, hatte evtl. Probleme und musste auf die Stornierungsbedingungen seines Anbieters schauen. Die, die wie ich einfach einen Bummel an Land geplant hatten, hatten keine Probleme. Wer keine Ausflüge gebucht hatte, konnte vom Liegepunkt im Hafen etwas außerhalb die kostenlosen Shuttlebusse der Stadt nutzen. Die Gemeinde hat sich auf regelmäßige Besuche ganzer Kreuzfahrtschiffe ganz gut eingerichtet, es waren viele (eher Ältere) zur freundlichen Begrüßung am Pier und am Busbahnhof eingesetzt. Der Ort bietet nach der Besichtigung von Kathedrale und Schlossruine auch etwas Shopping überwiegend mit höherwertigen Angeboten „Made in Scotland“. Gerade Schmuckdesigner*innen scheinen gerne auf den Inseln zu leben. Und es gibt neben Geschäften für den alltäglichen Bedarf auch Wohltätigkeitsgeschäfte und lokale Angebote für Menschen mit besonderen Bedürfnissen.

Mir ist auch in den folgenden Häfen in Schottland, Island und Grönland aufgefallen, dass es in den kleineren Gemeinden immer öffentliche Angebote, sei es in Bibliotheken oder Kulturhäusern, Angebote für besondere Lebenslagen (wie Selbsthilfeangebote für an Krebs Erkrankte) oder Rotkreuzläden mit Gebrauchtgütern zu kleinem Preis gibt. Und außer in Reykjavik und Kopenhagen, wo auch „Standard-Souvenirs“ angeboten wurden, haben in den kleineren Orten örtliche Kunsthandwerker*innen und Händler*innen direkte Angebote für die Tourist*innen gemacht, so dass auch etwas Geld vor Ort bleibt, neben den Arbeitsplätzen für Bus- und Taxifahrer*innen und Reiseleiter*innen. Letzteres ist auch für dort lebende Menschen aus Deutschland und Österreich eine Möglichkeit, ihre Sprachkenntnisse einzusetzen und zumindest Teilzeitbeschäftigung zu haben.

Stornoway, Schottland
Der nächste Stopp war Stornoway auf den Äußeren Hebriden. Hier war zum ersten Mal Tendern zum Hafen mitten in der Stadt angesagt, was noch öfter in den kleineren Häfen erfolgte.
Der MSC-Gold-Status brachte ein Priority-Tenderticket und damit trotz etwas späterer Frühstückszeit eine vergleichsweise kurze Wartezeit. Die Kommunikation über den Ablauf des Tendern war etwas verbesserungsfähig, aber nach Aufruf der Nummer, die man sich vorher auf Deck 7 besorgt hatte, sammelte man sich auf Deck 6, um dann zum Tenderbootausstieg auf Deck 4 gebracht zu werden. Dabei sollte man Treppensteigen können, denn der Tenderausstieg ist auf Deck 4. Auf dem Weg zum Tenderboot sieht man ein wenig von den Bereichen, in denen die Crew lebt und ihre eigenen Bereiche hat. Diese sind deutlich schmuckloser und funktionaler als die für die Passagiere, obwohl die Crew dort in der Regel neun Monate am Stück lebt, mit wenig Freizeit und kaum freien Tagen.
Stornoway ist etwas weniger auf Kreuzfahrttourismus eingerichtet als Kirkwall, aber es gibt hier neben den Geschäften für das tägliche Leben auch ein paar für das touristische Angebot. Ein kleiner Hafen mit Segelbooten, eine Hauptstraße mit Super- und Drogeriemärkten und anderen Geschäften sowie ein paar kleine Geschäfte mit Tee, Schnaps und Tweed eher für die Touristen. Neben verschiedenen Angeboten mit dem hiesigen Harris Tweed wird noch Harris Gin empfohlen. Der Anteil von hiesigen Schmuckdesigner*innen ist geringer als auf den Orkneys, hier sind eher Nähkünstler*innen zu Hause.
Mein Tipp: In einem neuen Café am Hafen, dem Blue Loobster, gibt es nicht nur guten Cappuccino und freundliches Personal, sondern auch eine sehr liebevoll eingerichtete Hundestation, die neben dem üblichen Wasser auch Plastiksäckchen für den „dog waste“ und einen Automaten mit Hundeleckerli enthält.

Reykjavik, Island
In Reykjavik gab es einen langen Aufenthalt. Einige, die einen der vielen angebotenen Ausflüge gebucht hatten, hatten nach der Rückkehr sogar noch genug Zeit, um mit dem (von der Stadt angebotenen) Shuttle in die City zu fahren. Ich habe auf gebuchte Ausflüge verzichtet und mir – bei strahlendem Sonnenschein – einen selbstbestimmten Stadtbummel gegönnt. Der Shuttle endet nach seiner Fahrt vom Hafen an der Harpa, die eines dieser wunderbaren modernen skandinavischen Kulturbauten ist. Von dort bin ich zu Fuß zur Hallgrimskirche geschlendert, habe unterwegs neben einigen Outdoor- und „klassischen“ Souvenirshops einige Geschäfte entdeckt, in denen isländische Kunsthandwerker*innen in kooperativer Form ihre Produkte anbieten. Der Schwerpunkt liegt auf Keramik (insbesondere Becher und Vasen), aber es gibt auch zum Beispiel moderne Grafik. Und da es kein Sonntag war, hatten alle Geschäfte auch offen. Insgesamt ein sehr entspannter Stadtbummel.
In der Hallgrimskirche habe ich in die Fahrt mit dem Aufzug in die Turmspitze investiert und hatte bei strahlendem Sonnenschein einen weiten Blick über die Stadt.

Isafjordur, Island
In Isafjordur ist die touristische Entwicklung erst am Beginn. Ich hatte das wirklich große Glück, dass der Guide für meinen gebuchten Ausflug im Hauptberuf der akademische Leiter eines Masterstudienganges zur Regionalentwicklung am Universitätszentrum in der Stadt ist – und gebürtiger Deutscher. Es war spannend und lehrreich, auf der Fahrt zum Dynjandi und anschließend nach Sudurenyi etwas über die lokale Entwicklung in den letzten 150 Jahren zu erfahren und welche Anstrengungen in Island unternommen werden, um auch kleinere Gemeinden attraktiv zum Bleiben zu gestalten.

Prins-Christian-Sund-Passage, Grönland
Der Weg von Island nach Grönland war mit drei Seetagen und zwei Stunden Zeitverschiebung etwas länger. Dabei war die Fahrt durch den Prins Christian Sund ein wunderschöner Start in die grönländische Welt.
Diese langsame Fahrt mit dem Schiff durch den Prins Christian Sund war einer der Höhepunkte der Reise am Ende der  ersten Woche. Es gab den ganzen Tag strahlenden Sonnenschein, deshalb war das Benutzen von Sonnencreme sinnvoll und hilfreich. Da es aber auch recht frisch war, waren warme Sachen ebenso angenehm wie dicke Socken. Manche haben sich den ganzen Tag auf Deck 14 aufgehalten, um jederzeit alles fotografieren zu können. Es gab nach dem zweiten Gletscher, dem Kangerluk, auch noch Spektakel an Bord mitsamt einem Stück Grönlandeis, das der Kapitän höchstpersönlich mit dem Tenderboot aus dem Wasser holte. Ich habe meinen persönlichen Balkon vorgezogen und mit einem Becher Tee die grandiose Landschaft an mir vorbei ziehen lassen. Wenn etwas Besonderes auf der anderen Seite des Schiffs angesagt wurde, hatte ich genug Zeit, auf Deck 7 zu wechseln und es von dort ohne Remmidemmi zu sehen und zu fotografieren. Die Passage ist jedenfalls mehr als eindrucksvoll und ein Must-See.

Nuuk, Grönland
Der nächste Hafen war Nuuk, die grönländische Hauptstadt. Wir haben einen Tag mit Niesel und Nebel erwischt. Die Shuttle-Busse in den Ort waren kostenpflichtig (11 €), man kommt aber auch problemlos in 10 Minuten zu Fuß in die Altstadt. Ich hatte eine Bootsfahrt gebucht, die einen nahen Blick auf zwei Eisberge und einen Wasserfall sowie einen Blick auf Nuuk vom Wasser aus bot.
Nachdem alle wieder an Bord waren, informierte der Kapitän, dass man aufgrund einer Warnung des dänischen Wetteramtes (und der Sorge, im Eis im Hafen länger als geplant liegen zu müssen) das Highlight der Reise Ilulissat nicht anlaufen werde. An Bord gab es allgemeine Enttäuschung bei vielen, die sich gerade auf diesen Hafen und die Ausflüge dort besonders gefreut hatten. So wurde Nuuk der nördlichste Punkt der Reise in Grönland und das Schiff fuhr bei Nebel wieder nach Süden.
Hinweis: Statt den Polarkreis in Grönland zu überschreiten, haben wir das später noch nach Akureyri auf dem Weg zurück nach Kopenhagen getan. Anders als bei anderen Reedereien, wo dann ein Polarkreiszertifikat in die Kabine „geliefert“ wird, musste man sich dieses bei MSC selber abholen. (…)

Weiter entlang Grönlands Küste Richtung Süden
Am folgenden Seetag wurden immerhin Wale gesichtet und es gab neben viel Nebel auch einige Stunden Sonne.
Die Fahrt ging also statt weiter nach Norden wieder südwärts. Als Ersatz für die Liegezeit in Ilulissat wurden ein Stopp in Nanortalik (Grönland) und eine Panoramafahrt durch den Talermiut-Fjord angeboten.
Nach einem weiteren Seetag war das Schiff dann wieder im ursprünglichen Zeitplan und lief Qaqortoq im Süden Grönlands an.
Alle Orte in Grönland waren auf die Tagesbesucher*innen von den Schiffen gut eingestellt und viele Einheimische boten – in Dänischen Kronen, Euro und Pfund – Sachen an, die Touristen halt so kaufen. Die Orte selbst sind auch ohne Ausflug gut zu Fuß zu durchstreifen. Besonders faszinierend fand ich in Qaqortoq – einer Ortschaft mit rund 2.000 Einwohner*innen – das Schulzentrum und die Bibliothek. Bildung und kulturelle Angebote sind in Nordeuropa in allen Orten ein wichtiges Angebot der öffentlichen Daseinsvorsorge und in sie wird in jeder Hinsicht aus öffentlichen Mitteln investiert, auch in Bezug auf die Architektur. Und in jedem Ort Grönlands gibt es eine Kirche, in Qaqortoq sogar zwei, eine alte und eine moderne.
Nach einer Woche mit vielen Eisbergen, einem Blick aufs Inlandeis im Talermiut-Fjord, einigen Gletschern, vielen Bergen, zum Glück (und wohl ungewöhnlich zu dieser Jahreszeit) ohne Mücken und auch unterhalb der Baumgrenze ohne Bäumen ging es zurück Richtung Island. Und die erholsamen folgenden zwei Seetage bedeuten auch, dass die Uhren insgesamt wieder zwei Stunden vorgestellt werden.

Akureyri, Island
Der letzte isländische Hafen dieser Reise war Akureyri: Die zweitgrößte Stadt Islands mit rund 20.000 Einwohnenden im Norden. Die dänischen Kaufleute im 18. und 19. Jahrhundert haben das Stadtbild der Altstadt geprägt – und ihre Frauen haben zu Beginn des 20. Jahrhunderts einen botanischen Garten angelegt, der – zumal im Sommer bei Sonnenschein – vergessen lässt, wie nahe man hier am Polarkreis ist und der wirklich schön ist, selbst wenn mehrere Busse von Kreuzfahrttouristen ihn nach dem „must-see“ Godafoss-Wasserfall besuchen. Der Wasserfall ist sehenswert – und seine touristische Erschließung lässt ihn auch mit leichten Geheinschränkungen gut erreichen.

Kopenhagen, Dänemark
Der letzte Hafen dieser Reise war Kopenhagen. Nach zwei Seetagen noch ein Landtag in der dänischen Hauptstadt, bei der MSC kleine Probleme offenbarte: im Tagesprogramm war ein Liegeplatz nahe der kleinen Meerjungfrau angekündigt (der aber von einem Schiff von Silversea Cruises belegt war). Der tatsächliche Liegeplatz war im neuen Nordhafen, über einen Kilometer von der nächsten ÖPNV-Haltestelle entfernt (auch noch mit zu wenigen Automaten für diejenigen, die sich zu Fuß dorthin auf den Weg gemacht hatten), einem völlig überteuerten Shuttle-Angebot für 16 € (nur zur kleinen Meerjungfrau und nicht näher zur Innenstadt) und einem Hop On-Hop Off-Angebot für 43 €, für das ich mich entschieden habe. (…) Ich habe dieses Mal die Stadtrundfahrt – Klassisch und Colorful – gemacht, einiges Neues gesehen und mich langsam wieder an Stadtleben gewöhnt. Zurück an Bord galt es den Koffer zu packen und ein letztes Mal zum Abendessen zu gehen. Zu diesem Zeitpunkt waren dann auch die Ausschiffungsinformationen verfügbar: bis wann man aus der Kabine sein musste (8.00 Uhr) und wann man jeweils von Bord gehen muss. (…)

Zurück in Warnemünde
Mit das schlechteste Wetter gab es auf der Reise zurück nach Warnemünde und am Morgen der Ankunft. Das Schiff kam – im wahrsten Sinne des Wortes – im Morgengrauen an. Die Kabinen mussten bis 8.00 Uhr verlassen sein, das Verlassen des Schiffes begann um 7.45 Uhr mit den Aurea- und Diamont-Status-Gästen. An den Aufzügen herrschte Gedränge in jeder Hinsicht, nicht nur dass sie stark frequentiert waren, auch das Phänomen, dass die Wartenden mit ihrem Gepäck sich so platzieren, dass andere, die lieber die Treppe nutzen, kaum an ihnen vorbei kommen.
Ich hatte „Glück“ dass mein Termin um 8.10 Uhr war, so dass ich den Morgen in der Kabine in meinem Tempo beginnen konnte. Bevor ich binnen 10 Minuten samt Koffer vor dem Terminal stand, musste ich mich noch – in einem engen Raum – an einer anderen Schlange anstellen, weil noch etwas „zu erledigen“ sei. Es stellte sich heraus, dass MSC mein Guthaben auf dem Bordkonto, das durch die Stornierung meines teuren Ausflugs in Ilulissat entstanden war – abzüglich meiner Ausgaben an Bord blieb immer noch die Hälfte der Kosten für diesen Flug über die Eisberge übrig – in bar auszahlte. Auch hier: eine freundliche Information darüber vorher wäre ein netter Service gewesen bevor man sich in der Schlange fragt, ob es ein Problem gibt. Ich hatte am Vorabend, nachdem die konkreten Ausschiffungszeiten bekannt waren, noch eine Reservierung für den IC nach Berlin gekauft und hatte noch genug Zeit für ein Frühstück in Rostock – nach drei Wochen wieder von Porzellangeschirr und mit einem guten Cappuccino. Um 7.00 Uhr ist das Schiff in Warnemünde angekommen, ich war um Viertel nach acht mit meinem Koffer aus dem Terminal, um halb elf im Zug nach Berlin und um 13 Uhr zuhause. Eine runde Sache.

Ihre Margrit Zauner vom Reiseliebe-Blog (https://reiseliebe.blog/)

Kompletter Blogbeitrag HIER.


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