Nordspanien

Erstellt von Margrit Zauner || Reisebericht Europa 

Spannende Gruppenreise durch eine touristisch eher unbekanntere Region Spaniens. (06/2023 Margrit Zauner vom Blog „Reiseliebe“)

Gastbeitrag: Gruppenreise Nordspanien

Es gibt bei jeder unterschiedliche Gründe, sich für ein Reiseziel zu entscheiden. Bei mir ist es häufig so, dass ich durch einen Zeitungsartikel oder einen Radiobeitrag auf ein bestimmtes Ziel aufmerksam werde. Und dann kann dauern, bis es in die Tat umgesetzt, das dann aber durchaus spontan bei der Buchung, wenn auch mit einem gewissen Vorlauf.
So war mit Bilbao. Ich erinnere mich an ein Radiofeature über die Entwicklung der Stadt und des Hafens und natürlich über das Guggenheim-Museum in Bilbao. Aber wie das so ist – anderes passiert und die Reise steht auf einer inneren Liste. Und ich habe das Baskenland und einige andere wunderschöne Orte in Spanien nun auf einer organisierten Bus-Rundreise kennengelernt, die zeigt, dass Urlaub auch ganz anders als der Küstentourismus in Spanien sein kann. Und mit etwas mehr eigener Vorbereitungszeit könnte man eine solche Rundreise auch mit Zug und vielleicht ein paar Busstrecken organisieren, zumindest, wenn man auf die Picos de Europa verzichtet.
Lange Zeit habe ich alle meine Reisen, gerade Städtereisen, selbst organisiert. Dabei mag ich seit einigen Jahren weniger fliegen und fahre viel Bahn. Und erst seit einem Jahr plane ich wieder mehr Urlaub. Und damit ich nicht wie früher in Versuchung komme, doch zu arbeiten oder die Zeit zuhause zu vertrödeln, buche ich mittlerweile gerne interessante Reisen, wenn sie mir „unterkommen“. So war das mit der Reise (…) „Durch das grüne Nordspanien“, die in Bilbao beginnt und endet und dazwischen neun Tage durch das Baskenland, Kantabrien, Asturien, Kastilien, La Rioja und Navarra führt. So gerne ich immer wieder in meinem eigenen Tempo durch Städte und über Inseln bummele, so sehr habe ich auch in den letzten Jahren organisierte Rundreisen schätzen gelernt. Und da schien diese Reise passend.

Fluganreise Bilbao
Es bedurfte einer Nachfrage beim Veranstalter, der die Reiseunterlagen per Post verschickt (mit einem praktischen Zweitzettel, damit die zuhause wissen, mit welchem Flug man unterwegs und in welchen Hotels man untergebracht ist) und der sagt, man könne am Flughafen einfach zum Schalter gehen. Das ist in Zeiten von Online-Check-in und Selbst-Baggage-DropOff eher unpraktisch und oft mit Schlange stehen verbunden. Der Online Check-in bei Lufthansa war easy und auch das Baggage-DropOff habe ich dieses Mal gemeistert, obwohl ich immer noch länger überlegen muss, wie ich den Gepäcktag zusammenkleben muss.
Der Start mit dem Flug nach Bilbao mit Lufthansa und Umsteigen in Frankfurt war insgesamt ohne Probleme und pünktlich. In der Economy gibt es stilles Wasser und ein Stück Schokolade. Was waren das noch für Zeiten, als man einen Kaffee – oder Tee – und einen Snack  bekam. Auf dem Flug nach Frankfurt gibt es keinen anderen Service, auf dem Flug von Frankfurt nach Bilbao kann man Dean & David oder Dallmayr Snacks käuflich erwerben. Der Kaffee war wirklich trinkbar und nicht wie sonst Pulverkaffee mit heißem Wasser. Der Käsekuchen war auch lecker, aber bei aller Nachhaltigkeit wäre doch eine Gabel hilfreich, um sich diesem Turm in Ruhe zu widmen.
Der Service und vor allem der Standard des Kabinenpersonal bei Lufthansa ist ein deutlich höherer als bei den Billigfluglinien. Ganz habe ich noch enträtselt, was genau der Unterschied ist, aber man merkt ihn.

Erste Erfahrungen mit den Mitreisenden
Busreisen mit Gruppen, die mit (fast) so vielen Leuten gebucht sind, die der Reisebus Plätze hat, muss man mögen. Am Anfang muss man seinen Platz sichern. Da es überwiegend (ältere) Paare gibt, die solche Reisen machen, sollte man beim ersten Gruppenausflug einen Fensterplatz sichern, wenn man wie ich gerne rausschaut und auch mal fotografiert. Die Gespräche der Mitreisenden – neben den Ehepaargesprächen – drehen sich auch um Fragen wie Hörgeräte oder Enkelkinder oder Erfahrungen auf anderen Reisen.
Allerdings trifft man auch die, die sich solche Reisen leisten können und die meinen, Arme und andere seien selbst schuld, wenn sie in anderen Verhältnissen leben. Je nachdem, wie die Reiseleitung auf den Busfahrten über ihr Land berichtet, murmelt man Zustimmung oder denkt sich seinen Teil, wenn das Ehepaar (…) seine Zustimmung bekundet, wenn die Reiseleiterin ihre Haltung zu den vielen jungen, männlichen Migranten verbreitet, die nach Spanien kommen und kriminell werden.
Aber es bilden sich auch schnell kleine Untergruppen heraus, die beim Abendessen oder während des Tages in ein Gespräch gehen. Manche Gruppen sind fest geschlossen, weil sie schon zusammen gebucht haben und ihren Freundeskreis eng geschlossen halten, andere wollen in ihrem Paarbezug bleiben und andere wollen neue Personen kennenlernen. Die Zahl der Einzelreisenden – in den Reisen, die ich bisher gemacht habe, interessanterweise immer Frauen – ist dabei ähnlich hoch, wie die Zahl derjenigen, die noch arbeiten und nicht schon in Rente sind – also eher gering.

Bilbao
Am Beginn bleibt man in Bilbao zwei Nächte – im besten Hotel der gesamten Reise. Das ILUNION in Bilbao ist neu eröffnet und hat – wie seine Schwester in Sen Sebastian – ein für spanische Städte hervorragendes Frühstück. Die ILUNION Hotels sind die  Hotelkette der sozialen Unternehmensgruppe der spanischen Blindenorganisation ONCE, die als erste Hotelkette weltweit auf die berufliche Eingliederung von Personen mit Behinderung und auf einen barrierefreien Tourismus setzt – und das mit einem hervorragenden Preis-Leistungs-Verhältnis verbindet (mehr Infos: www.ilunionhotels.de).
Nach einem Tag in Bilbao mit Schwebefähre, Aussichtspunkt, Markt und Guggenheim-Museum ging es am nächsten Tag vom Industriedenkmal – eine Baskenmützenfabrik mit Maschinen vom Ende des 19./Beginn des 20.Jahrhunderts zu den Höhlen von San Bernabe und denen von Altamira. Der Tag endete im Gran Hotel Pelayo in Covadonga. Es blieb noch Zeit für einen kurzen Besuch in der Basilika, bevor das Gran Hotel Erlebnis etwas skurril war. Schöne Zimmer, toller Ausblick, aber Frühstück und Abendessen in einer Form serviert und zugeteilt, die Potential für HoGa-Beratung hatten. Ab hier wurde auch deutlich, dass man auf dieser Reise den Gästen entweder kleine Reise-Salz- und Pfefferstreuer als kleine Aufmerksamkeit mitgeben sollte oder eine kleine Auswahl an Salz- und Pfeffer-Tütchen, denn das fehlte eigentlich immer und bräuchte auch bei Nachfrage meist etwas, bis es am Tisch war. Etwas so Verwegenes wie eine Pfeffermühle war kaum zu finden.

Nationalpark Pico de Europa
Der folgende Tag brachte eine Erkundungstour durch verschiedene Punkte des ältesten spanischen Nationalparkes, der Picos de Europa. Der Bus kurvte auf und ab auf einer extrem engen und kurvenreichen Straße, um einen Spaziergang (und natürlich viele Fotos) am Lago Enol zu ermöglichen, wobei vor allem die Fahrt hinunter das größere Abenteuer war – und einen guten Busfahrer. Von dort ging es zu den Höhlen von Cabrales, um den dort gereiften Käse kennenzulernen und schließlich mit der Seilbahn auf den Fuente Di. Letzteres war leider aufgrund von Regen und Nebel nicht ganz so beeindruckend wie es sicher bei klarer Sicht ist, aber Seilbahnfahren ist ja immer ein  Erlebnis.

Orviedo
Der nächste Tag begann mit einem Stop auf dem Mirador, von wo man das Meer sehen konnte, aber auch so viel Wind war, dass man überlegen musste, bis wo frau sich hochkämpft, ohne weggeweht zu werden. Auch an diesem Aussichtspunkt gab es frische Blumen am Denkmal für die Kämpfenden des spanischen Bürgerkriegs. Von dort mit einem kurzem Stopp in Gjion (mit einem mäßigen Essen in einer Touristen-Sideria) nach Orviedo. Dort gab es zwei Stunden Sightseeing ohne Begleitung. Eine gute Gelegenheit, einfach durch die Stadt zu bummeln und nach den vielen Skulpturen Ausschau zu halten, die dort überall aufgestellt sind. Ich fand La Regenta am Wichtigsten, manche suchen lieber die von Woody Allen. Und dann ging noch nach Leon, wo es einen freien Abend gab. Das Hotel war ok, allerdings ist ein einziger kleiner Fahrstuhl in einem Hotel mit vielen Stockwerken eine echte Herausforderung bei der An- und Abreise von Reisegruppen.

Leon
Der Stadtrundgang durch Leon wurde durch einen Besuch der durchaus beeindruckenden Kathedrale angereichert. Nach einem Kaffee im Parador von Leon ging es weiter nach Burgos mit der noch beeindruckenden Kathedrale, verbunden mit dem Glück, dass noch die Musik für Sonntag geprobt wurde und eine Besichtigung dieser Kirche mit Musik ist grandios.

Rioja-Region, Pamplona & San Sebastian
Der Sonntag führte in die Rioja-Region, mit Bummel durch Laguardia, einen netten 4-D-Film über den hiesigen Wein und einer Weinprobe nach einer Kellerbesichtigung. Also ein entspanntes Sonntagsprogramm, dass mit der Weiterfahrt nach Pamplona endete. Abends konnte man vom Hotel am Rande der Altstadt alleine auf Entdeckungstour gehen, am nächsten Vormittag gab es eine gute Stadtführung. Ich verstehe jedenfalls, warum Hemingway hier so gerne war.
Von Pamplona ging es zum letzten Hotel der Tour nach San Sebastian. Die Stadtführung war etwas zu lang und ermüdend, aber die Stadt ist wirklich beeindruckend. Und man kann gut herumbummeln und im Jugendstil schwelgen. So ein wenig kommt mir die Stadt wie eine spanische Version von Bad Ischl vor, weil auch hier die Sommerfrische einer Königin Ende des 19.Jahrhunderts einen ziemlichen Schub für die Stadtentwicklung brachte.
Das die Reise zum Abschluss wieder in einem Hotel der Illuion-Gruppe endete, garantierte gute Qualität des Frühstücks. Diese Hotels leben #Inklusion und bieten sehr gute Qualität. Das einzige, was im Vergleich zum Hotel dieser Gruppe in Bilbao fehlte, war der Wasserkocher.

Baskenland
Der darauf folgende Tag war noch einmal vollgepackt mit schönen Erlebnissen. Zum Beginn stand eine Dampflokfahrt und ein Besuch des Euskotren-Eisenbahnmuseum. Und es brauchte offenbar länger, um auch die dunklen Seiten der jüngeren spanischen Geschichte zu integrieren, aber es fanden es sich eben auch in jüngerer Zeit in die Ausstellung integrierte Stelltafeln mit Erlebnisberichten von fünf jungen baskischen Männern, die vom Franco-Regime zur Zwangsarbeit beim Bau von Infrastrukturvorhaben gezwungen waren.
Der Besuch in Guernica brachte noch ein besonderes Erlebnis mit der Reisegruppe, weil offenbar einige der älteren Herren die deutsche Schuld bei der Vernichtung dieses besonderen Ortes der baskischen Demokratie und Geschichte relativieren wollten. Der Aufenthalt war etwas kurz, aber beim kurzen Rundgang war ein Besuch bei der Replik des berühmten Picasso-Bildes, das diesen Angriff für immer in Erinnerung halten wird, obligatorisch.
Den Abschluss bildete eine Mittagspause im Hafen von Bermeo und eine Bootsfahrt zu einem Felsen, der auch in der GoT-Serie vorkommt, bei wilder See. Und nach einem Abendessen mit Blick aufs Meer endete die vollgepackte Reise mit dem Rückflug nach Deutschland am nächsten Tag.

Feedback
Nordspanien ist ein schöner Ort zum Reisen. Man kann das sicherlich mit Bahn und Fernbus selbst organisieren. Es ist viel Geschichte, von wilder Landschaft und Orten früher industrieller Entwicklung bis hin zu Kunst und Kultur der Gegenwart. Und eine deftige, gute Küche, bei allerdings zumindest in der Auswahl der Restaurants des Reiseveranstalters Lebenslust Gemüse und Salat absolute Mangelware waren.
Die geplanten Hotels waren alle mit 4 spanischen Sternen gekennzeichnet, und in keinem blieb man länger als zwei Nächte. Insgesamt war es ok, die Lage der Hotels immer gut, das Frühstück eher überschaubar (aber das erwartet man ja eigentlich auch in Spanien), der Kaffee immer ordentlich und warme Milch gab es auch überall. Die Zimmer waren sauber. Die meisten Hotels waren modern eingerichtet, aber man fragt sich schon, was sich Planer im 21.Jahrhundert denken, wenn Steckdosen, gerade am Bett, eher Mangelware sind und nur das Hotel in Bilbao auch USB-Anschlüsse hatte. Und mir hat in allen Hotels bis auf eines ein Wasserkocher im Zimmer gefehlt. Ich mag es nämlich, mir noch abends oder morgens einen Tee zu kochen und nicht nur auf das externe Angebot dazu angewiesen zu sein.

Persönliche Tipps
1. Bei einer Rundreise, in der man höchstens zwei Nächte in einem Hotel bleibt, bewährt sich ein gut organisierter Koffer mit Packtaschen. So findet man schnell und immer, was man braucht.
2. Es ist immer gut, zwei Powerbanks dabei zu haben, wenn das Handy seine Energie mit dem vielen Fotografieren schneller als sonst ausnutzt. Genauso wie für das abendliche Aufladen von Handy, Powerbank und anderen Geräten Ladegeräte mit der Möglichkeit, mehrere Geräte gleichzeitig zu laden, hilfreich sind. Zumindest auf dieser Reise hatten die Hotels wenig funktionierende Steckdosen und nur einige auch USB-Anschlüsse zum direkten Laden. Außerdem sind  zur Sicherheit ein zweites Ladegerät und mehr USB-Kabel immer gut, falls man trotz allem Schauen vorm Auschecken doch mal ein Ladegerät im Hotelzimmer vergisst.
3. Auch wenn die Daten nicht mit den Reiseunterlagen kommen, sollte man nach Erhalt sofort prüfen, ob man sich für die Flüge online einchecken kann und, wenn noch nicht auf dem Handy, die erforderliche App runterladen. So geht das mir mit dem Einchecken schneller und einfacher und man kann sich noch einen bevorzugten Platz suchen.

Ihre Margrit Zauner vom Reiseliebe-Blog (https://reiseliebe.blog/)

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