Queen Mary 2 Kurzreise

Erstellt von Margrit Zauner || Reisebericht Europa 

Eine Zeitreise an Bord des legendären Oceanliners Queen Mary 2 von Cunard. (10/2023 Margrit Zauner vom Blog „Reiseliebe“)

Gastbeitrag: Queen Mary 2 Kurzreise Southampton bis Hamburg

Eine Kreuzfahrt kann vieles sein – zum Beispiel eine vergnügliche Reise mit vielen besonderen Aktivitäten, eine Erkundungstour mit einem begleitenden schwimmenden Hotelzimmer – oder auch eine Zeitreise zurück in eine Zeit, in der man nicht mit einem Flugzeug, sondern mit einem Schiff weite Strecken zwischen den Kontinenten überwunden hat. (…)
Diese Kurzreise mit der Queen Mary 2 wurde online besonders beworben – mit dem Themenschwerpunkt  20-er Jahre beim abendlichen Unterhaltungsprogramm. Die Reisen wurden dort mit zwei Vorprogrammen und Flug nach London angeboten, allerdings musste der Flug ab Berlin besonders angefragt werden. Das Schiff war so ab Southampton gut mit vielen deutschsprachigen Reisenden gefüllt, dazu kamen einige Busreiseveranstalter, die diese Kurzreise für ein besonderes eigenes Angebot nutzten.
Ich wollte die Gelegenheit nutzen, bis Mitte nächsten Jahres alle vier Schiffe von Cunard selbst erlebt zu haben und eine kleine Auszeit in einer arbeitsreichen Zeit zu nehmen – als vorweggenommenes Fazit: Das ist mir mit einem arbeitsfreien Freitag und zwei Nächten an Bord gut gelungen.

Anreise von Berlin nach Southampton
Ausnahmsweise habe ich mich für die „hektische“ Variante entschieden und bin am Freitag früh ab Berlin über Frankfurt nach London geflogen. So früh loszufliegen bedeutet eine kurze Nacht und ein Taxi zum Flughafen. Und entgegen vielen Unkenrufen: es war einfach und easy am BER. Die längste Schlange des Morgens war die am Kaffeeverkaufsstand im Terminal 1. Da ich am Vortag online eingecheckt hatte und auch nur mit einem kleinen Koffer als Handgepäck unterwegs war, brauchte ich weniger als 15 Minuten vom Aussteigen aus dem Taxi, um durch die Sicherheitskontrolle bis hinter den Duty-free Shop zu gelangen. Leider war es kein Direktflug nach London-Heathrow, da ich auf Lufthansa gebucht war. Das bedeutet leider zwei Flüge und ein Umsteigen in Frankfurt. Lufthansa ist besonders kulant mit seinen Handgepäckregeln – warum es am Vorabend eine Mail und am Morgen mehrere Ansagen gab, dass nur ein Handgepäckstück erlaubt sei, wenn zahlreiche Mitreisende mit mehreren, offenkundig etwas schwereren Handgepäckstücken unterwegs waren, bleibt ein Wunder der erlebten Physik an Bord von Lufthansa. Es ist erstaunlich, wie 8kg in definierten Abmessungen in der Praxis an Bord ausgestaltet sein können. Aber das Gepäck-Tetris in den Ablagen hat funktioniert und der leicht verspätete Abflug war nicht der Tatsache geschuldet, dass noch Handgepäck in den Gepäckraum umgeladen werden musste.
Der Brexit ist nun im Reisen leider spürbar – es waren in Frankfurt und in Heathrow überwiegend automatisierte Einreisekontrollen zu absolvieren – und vor dem Gate in Frankfurt war ein Mitarbeiter abgestellt, der Bordkarte und Reisepass nochmals kontrollierte. Wer wie ich nur eine Bordkarte in der App hatte, bekam einen kleinen Aufkleber mit handschriftlicher Eintragung des Tagesdatum auf den Pass geklebt – was für Grenzen der Automatisierung.
Ab dem Punkt, wo man hinter der Gepäckausgabe jemanden mit dem Cunard-Schild entdeckt hat, wird das Reisen entspannt und angenehm. Man wird zum Bus gebracht, mit dem man direkt zum Cunard-Mayflower-Terminal fährt und obwohl alles für Schlangestehen ausgelegt ist, geht es schnell und mit dieser besonderen Form von freundlicher „Britishness“ bin ich in weniger als 15 Minuten vom Ausstieg aus dem Bus durch Einchecken und Sicherheitskontrolle auf dem Schiff gewesen.

Erlebnis Queen Mary 2
Die Queen Mary 2 ist ein besonderes Schiff, denn sie ist 2004 in Dienst gestellt und der einzige klassische Ozeanliner, der auf den Weltmeeren, aber vor allem regelmäßig zwischen Southampton und New York unterwegs ist. Deshalb ist die Lage von zentralen Bereichen auf dem Schiff anders als auf anderen Schiffen, denn auf den Decks 2 und 3 sind die zentralen Restaurants und Shops sowie das Theater (samt einem Planetarium) angesiedelt. Das Deck 7 ist das Deck mit dem für alle zugänglichen Umlauf an der frischen Luft um das Schiff (2 Runden 1,1 km) und weiteren Restaurants und Bars. Die Erkundungstour sollte auf jeden Fall auch die Bereiche ab Deck 11 beinhalten, wo die Hundezwinger (Kennel) aber auch andere Features wie ein gläserner Aufzug oder ein versteckter Passagier Aufenthaltsraum, den man hinter einer ältlich aussehenden Toilette erreicht, zu finden sind.
Diese Fahrt kam aus Kanada über New York und von Southampton direkt weiter nach Hamburg, von wo das Schiff zwei Wochen ins Dock geht, um erforderliche Renovierungen vorzunehmen. Angesichts der heftigen Stürme, die während dieser Reise auf Nord- und Ostsee angekündigt waren, hat das Schiff den Praxistest bei unruhiger See gut bestanden – man sah heftige Wellen, aber auf dem Schiff war davon nur wenig zu spüren.
Zu den angekündigten Arbeiten in den kommenden zwei Wochen gehört auch der Einbau von Routern, damit in Zukunft das über Starlink angebotene Internet überall im Schiff gut verfügbar ist. Grundsätzlich ist das Internet bei Cunard bisher ziemlich teuer und auch noch insbesondere in den Kabinen allen Berichten zufolge nur von meist mäßiger Qualität. Viele – auch ich – genießen Cunard-Reisen als stilvolle Art des Digital-Detox, zumal es an Bord viele andere Möglichkeiten der Unterhaltung gibt. Dennoch will man offenbar auch hier mehr mit der Zeit gehen und auch attraktiv für Reisende sein, die auch auf dem Schiff gerne Internetzugang haben wollen. Die Atlantiküberquerung mit 7 Seetagen am Stück ist für diese Zielgruppe offenbar eine Herausforderung, wenn man nicht die klassischen Möglichkeiten der Beschäftigung wie Vorträge, Spielen oder Lesen, besonders in der größten Bibliothek auf einem Schiff, nutzen will.
Für diese kurze Reise habe ich mich für die Buchung einer Garantie-Außenkabine entschieden. Es wurde dann eine der neueren Einzelaußenkabinen auf Deck 2 – mit der Nummer 2018. Die Kabine war gelegentlich etwas lauter, aber dafür war sie angenehm eingerichtet, und da etwas neuer mit deutlich mehr Steckdosen – inklusive 2 USB-Anschlüssen am Bett und einer Glaswand anstatt eines Duschvorhangs.
Ansonsten hat man an Bord viele Gelegenheiten, gut zu essen, wenn man nicht den (kostenlosen) Roomservice nutzen will. Es gibt neben dem Hauptrestaurant Britannia auf den Decks 2 und 3 mit einem Angebot für Frühstück, Lunch und Abendessen, ein großes Buffetrestaurant auf Deck 7, den Kings Court, einen Pub mit einer kleinen traditionellen Mittagskarte inklusive Pie und Fish & Chips und höchst leckere Kleinigkeiten zum Beispiel in der Carinthia-Lounge.
Es wird zwar auch Kaffee angeboten, sei es zum Frühstück oder nach dem Essen. Ich habe festgestellt, dass mir der Kaffee an Bord schlicht nicht schmeckt, aber der angebotene Tee immer gut ist – und den ich hier anders als zuhause auch gerne mit Milch trinke. Gab es bei meiner ersten Reise 2018 noch Tee einer speziellen Cunard-Mischung von Twinnings, so ist es mittlerweile Twinnings Englisch Breakfast (oder auf Wunsch auch andere Sorten), was meinen Teegenuss aber nicht schmälert. Auch die Frage in vielen Foren „Drink Package oder nicht“ habe ich wie immer für mich beantwortet: ist für mich persönlich keine Alternative, weil im Vergleich viel teurer als das, was ich einzeln bestellt habe.
Und der Dresscode? Ich persönlich finde es sehr angenehm, dass passende Kleidung von Bedeutung ist. So wie ich mich am Anblick derer erfreut habe, die das Motto der „Formal Night - Roaring 20thies“ auch am Tag in stilechter Kleidung umgesetzt haben. Die Anforderungen sind moderat – und sich am Abend zum Essen umzuziehen, gehört doch auch zu der „Britishness“, die wir aus der Literatur und Filmen kennen. Auch wenn es heute im Alltag sicher auch im Vereinigten Königreich anders ist: durch die Grand Lobby zum Restaurant zu gehen, vom Kellner durch das im Art-Deco-Stil eingerichtete Restaurant zum Tisch begleitet zu werden, an einem Tisch mit weißen Tischtüchern und Stoffservietten ein Mehr-Gänge-Menü serviert zu bekommen – dazu passt ein Jackett beim Herrn oder eine etwas stoffhaltigere Garderobe bei der Dame ganz gut. Und bei den „Formal Nights“ trägt nicht jeder Smoking oder Abendkleid, aber auch hier macht es Spaß, gut gekleidete Menschen zu sehen und seinen eigenen Beitrag zum Bild zu leisten. Und man kann das eine oder andere Kleidungsstück ausführen, das man sonst zu selten anziehen kann.

Insgesamt war es eine nette Reise, die Lust auf mehr macht – und wer überlegt, ob diese Form des Reisens passt, der kann das so gut ausprobieren.

Was mir an Cunard gefällt
1. Die Einschiffung in Southampton ist ein besonderes Erlebnis. Es sind einfach sehr viele, sehr freundliche, meist ältere Brit*innen damit befasst, das Ganze ganz entspannt abzuwickeln. Und da es genug freundliche Menschen gibt, ist der Start einer solchen Reise einfach entspannt.
2. Cunard hat eine sehr entspannte Regelung, was das Mitbringen von eigenen Alkoholika und dem Konsum in der eigenen Kabine, angeht. Während andere Reedereien das strikt untersagen (…), erlaubt Cunard das Mitbringen von zwei Flaschen Alkohol je Erwachsenen und auch von weiteren nicht-alkoholischen Getränken. Das führt in den einschlägigen Foren regelmäßig zu interessanten Diskussionen, die Vorurteile von Brit*innen, die scheinbar alle abends vor dem Essen, zu dem man sich natürlich umzieht (wie auf den Cunard-Schiffen), einen Gin-Tonic trinken, zu bestätigen scheinen. Ich habe für diese Reise mit zwei Nächten an Bord und einem kleinen Koffer, den ich als Handgepäck mit an Bord genommen habe, bewusst darauf verzichtet (und mir hat in meiner  Außenkabine im Herbst auch nichts gefehlt), aber auf dem Balkon an einem lauen Sommerabend ein Glas nach dem Umziehen fürs Abendessen und vor dem selbigen kann schon was. Und ob es eine besondere Limonade ist oder ein Glas gekühlten Weißwein – oder nach dem Essen noch etwas Besonderes zum Sonnenuntergang – das sind besondere Momente, die man auch und gerade als Alleinreisende genießen kann. Die Lage meiner Kabine und die Tatsache, dass ich dieses Mal abends im Royal Court Theater war, hat eine andere Form des Abendvergnügens für mich gebracht – bei den früheren Cunard-Reisen habe ich in der Commodore-Lounge über der Brücke einen abendlichen Cocktail genossen. Aber man kann den Abend nach dem Essen auf jeden Fall noch angenehm an verschiedenen Orten ausklingen lassen.

Was mir auf der Queen Mary 2 nicht gefallen hat
1. Der berühmte White-Star-Service hatte dieses Mal einige kleine Abzüge. Beim Frühstück im Britannia-Restaurant schien es entweder zu wenig Personal für die Tische oder Probleme in der Küche zu geben. Es dauerte recht lange, bis Tee und Saft am Tisch waren, der Toast kam erst am Ende des Frühstückes.
2. Wenn die Tea-Time im Queens Room im Tagesprogramm mit einem Beginn um 15.30 Uhr angekündigt ist, und man um 15.15 Uhr in einen Raum kommt, der schon völlig überfüllt ist und in dem schon serviert wird, ist das eher irritierend. Ich habe noch auf Vermittlung eines Obers einen freien Platz an einem Tisch mit einem schon dort sitzenden Paar bekommen, aber auch hier war es zum einen mit etwas Arbeit verbunden, zu einer Tasse Tee kommen und zum anderen war durch den überfüllten Raum und die Schlange der Wartenden ein Gefühl von Hektik in dieser Tea-Time, die ich von der Queen Elizabeth und der Queen Victoria selbst an Seetagen nicht kenne und wo ich die Tea-Time entspannter in Erinnerung habe. Auf längeren Reisen scheint mir der Roomservice für die Tea-Time daher eine echte Alternative, um klassische Sandwichs (z.B. Coronation Chicken, Roastbeef oder auch ein klassisches Gurkensandwich), kleine Törtchen und vor allem frisch gebackene Scones mit clotted cream und Erdbeermarmelade zu genießen.
3. Es ist sicher gerade für Alleinreisende ein günstiges Angebot, für $10 einen Transfer-Bus zum Hauptbahnhof am Ausschiffungstag anzubieten, um damit weniger Kosten als die rund 35 € für ein Taxi zu haben. Allerdings ist es misslich, wenn ein solches Angebot wie Bückware binnen weniger Stunden während der Mittagszeit ausverkauft ist.

Persönliche Reisetipps
1. Auch wenn man die Handyuhr und den integrierten Wecker immer dabei hat – auf Seereisen, zumal wenn die Zeit häufig wechselt – lohnt das Mitnehmen eines ganz klassischen Reiseweckers. Es gibt verschiedene Gelegenheiten, an denen man pünktlich wach sein will oder auch muss, sei es für gebuchte Landausflüge oder am Ausschiffungstag, an dem alle früh vom Schiff müssen, um die Kabinen für die nächsten Gäste fertig zu machen.
2. Es wird häufig empfohlen, dass man als Alleinreisende einen größeren Tisch wählt, um auf diese Weise einfach andere Alleinreisende kennenzulernen. Meine Erfahrungen haben mich dazu gebracht, eher einen kleinen Tisch zu wählen und keine nicht selbst ausgesuchte Gesellschaft haben zu wollen, denn die Tischgespräche drehen sich oft um Langweiliges (wer hat wann welche Kreuzfahrt gemacht), was die bessere Option ist oder um Themen, wie Impfschäden, unnötige Corona-Maßnahmen oder Kriminalität von Ausländern – wie es mir beim Frühstück am Ausschiffungstag ergangen ist, als man einen großen deutschsprachigen Singletisch bildete. Und obwohl 4 Frauen und 2 Männer am Tisch saßen, majorisierten die beiden Männer das Gespräch. Da verzichte ich lieber auf Tischgesellschaft und unterhalte mich mit den Kellnern.
3. Bei Cunard gibt es (außer am Ausschiffungstag) die Möglichkeit, sich das Frühstück ohne Zusatzkosten auf die Kabine bringen zu lassen oder im Restaurant das Frühstück serviert zu bekommen – auf gutem Geschirr und mit weißen Tischdecken. Ich schätze diese sehr stilvolle Form des englischen Frühstücks und starte damit gerne sehr entspannt in den Tag.
4. Auch wenn man kein Internet-Paket bucht, kann sich ins Schiffs-WLAN einbuchen und bei MyVoyage anmelden. Damit gibt es über den Browser u.a. einen aktuellen Stand des Bord-Kontos.
5. Es gibt verschiedene, englischsprachige Facebook-Gruppen rund um Cunard. Auch wenn manche Themen regelmäßig wieder auftauchen (insbesondere zum Dresscode und zur Frage des Extra-Trinkgeld) ist das eine nette Möglichkeit, sich mental auf die Reise vorzubereiten, mitzulesen, welche Fragen sich andere Reisende stellen und schöne Fotos zu sehen.

Ihre Margrit Zauner vom Reiseliebe-Blog (https://reiseliebe.blog/)

Kompletter Blogbeitrag HIER

Weitere Bilder von Bettina Zwickler für die Reise mit der Queen Mary 2 finden Sie in der Bildergalerie.

Zu unseren Bildern


Zurück